Nach der Wende hat sich niemand mehr gemeldet

A | 3 Jun 2015

1964 kam Franz das erste mal wieder zurück in seine alte Heimat aus der er 1946 zusammen mit seinen Eltern flüchten musste. Nahe der Donau und nahe der heutigen Grenze zu Kroatien, landete er in München. Seit dem kommt er nun regelmäßig in seine Heimat zurück und seit 40 Jahren an den Balaton. Hier hat er viele Menschen kennengelernt. Mehrmals im Jahr traf er sich hier unter anderem mit vielen Menschen aus der ehemaligen DDR. Freundschaften entstanden. Enge, fast familiäre Verhältnisse. Fahrräder für die Kinder und andere Sachen brachte er mit. Bei Bier und Grillschwein saß man zusammen und redete als gäbe es Ost und West gar nicht. Man war Camper, tauschte sich aus und träumte vielleicht auch mal davon weiter zu reisen bis an den Balaton. 1989 überschlugen sich dann die Ereignisse. Ungarn öffnete die Grenzen zu Österreich. Auf den Campingplätzen gab es nun nur noch leere Zelte und Klapfixe. Trabis und andere typische KfZ ließ man auf der Straße einfach zurück.

Der Kontakt zu den Freunden und Bekanntschaften ebbte ab. Kurze Zeit später hörte Franz von niemanden mehr etwas. Das macht ihn heute noch ein wenig traurig.

An den Balaton kommt er trotzdem. Jedes Jahr ab Mitte April bis September bezieht er hier mit seiner Frau Rita, eine gebürtige Pirnaerin die 1961 die Freiheit gefunden hat, sein Domizil. Am Morgen wird die Angel ausgelegt und ab und an einmal danach geschaut. Das Fangen ist Nebensache.

Angelt man einmal nicht, so tauscht man sich mit seinem Namensvetter aus.

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Franz der Zweite ist ein durchaus lustiges Frohgemüt aus Niederösterreich. Auch er verbringt die größte Zeit des Jahres gemeinsam mit seiner Frau in der zweiten Reihe auf dem Campingplatz. Das einzige was man versteht ist ‚jo,jo‘. Was so viel wie ‚ja, ja‘ bedeutet. Mindestens 100 mal am Tag. Schon 6.30 Uhr ist er auf den Beinen um seine Walkingstunde zu absolvieren und wird von seiner Frau liebevoll darauf hingewiesen nicht so laut zu reden um uns nicht munter zu machen. „Jo jo“…

Franz hat vor einigen Jahren das Schnitzen für sich entdeckt. Diese Begeisterung will er natürlich teilen. So hören wir ihm am Abend aufmerksam zu und sehen uns seine sehr ausführliche PowerPoint Präsentation geduldig an. Einen Ordner mit Bildern hat er auch noch… “ Ja ja…“

IMG_20150604_123301Herzlich und wumderbar entspannt war es im Eldorado. Und das lag wohl auch vor allem an den netten Menschen die wir kennenlernen durften. So auch unsere neuen Nachbarn.