Drei Generationen, vier Armeen

A | 14 Jun 2015

… Bären haben wir nicht gesehen. Das Restaurant in dem es das zarte Fleisch geben soll nicht besucht.

Aus einem kurzen Stopp am Wegesrand sind ein paar Tage geworden.

Außerhalb von Pivka, umgeben von weiten Wiesen befindet sich an einem kleinen Hang die Pension von Markus und seiner Familie. Für unseren Bus ist auf einer riesigen Wiese mit Blick auf den ‚Lonica‘ Platz genug.

Erklimmt man den Hang des Grundstücks, vorbei an der Bienenzucht und kleinen Obstbäumen nimmt man auf der selbst gezimmerten Gartenschaukel Platz und  genießt den Blick auf eine kleine Kirche auf genanntem Berg. Weiter hinauf, am Ende des Hanges, weiden die Schafe und Lämmer der Familie. Da es eine Pension ist, in der man auf Bestellung an einigen Tagen auch essen kann, ist es einfach nur natürlich, dass sich die Anzahl der Schafe mal verringert. Die Lämmer sind noch so klein, dass sie bestimmt noch viel Zeit haben werden…

Im Keller befindet sich ein riesiges Lager mit selbst gebrannten und hergestellten Schnäpsen. Seine Gäste können jederzeit und umsonst kosten und trinken. Durst hatten wir eigentlich nur dann als wir die Umgebung erkundet haben und durch Kornblumenfelder den Weg zurück zu unserem Bus gesucht haben. Und da war der Keller in weiter Ferne.

Wie die 10 Kriegstage in Trnje im Jahre 1991 waren wollten wir wissen, da wir im Keller neben vielen alten Familienfotos eines von Markus entdeckten, welches ihm in Armeeuniform zeigt.

Er hatte Glück, denn seine Dienstzeit in der jugoslawischen Armee war 1987 vorbei. Ob wir die Fotos der anderen Männer in Uniform gesehen haben? Alle Männer seiner Familie kämpften für eine jeweils andere Nation. Dabei waren es alle schon immer Slowenen. So kämpfte sein Urgroßvater für Österreich. Später sein Großvater für Italien in Afrika. Dort desertierte er und erhielt eine britische Uniform. Als er dann zurück in die Heimat kam verbrachte er zunächst eine Zeit in Haft, da man sich nicht sicher war ob es sich um einen Spion handelt. Um ganz sicher zu gehen das der eventuellen Spion nun doch die richtige Gesinnung hat, musste er noch einmal für ein Jahr eine jugoslawische Uniform tragen bevor er in sein Dorf zu seiner wartenden Familie zurück durfte.

In den besagten kritischen Tagen im Tal wartete man angespannt wer wohl zuerst einen Schuss abgibt. Panzer standen sich gegenüber. Die Bevölkerung errichtete Barrikaden. Niemand schoss. Niemand wollte schießen. (So im übrigen auch die Männer in Markus Familie. Alle hatten niemals eine Waffe in der Hand.)

Nach 10 Tagen zogen sich die serbisch besetzten Panzer zurück. Gestorben sind zwei Panzerfahrer. Aber auch nur weil es noch junge und unerfahrene Fahrer waren und Ihren Panzer versehentlich in ein Fluß gefahren und ertrunken.

Trnje11Trnje10Trnje08Trnje04Trnje05Trnje03Trnje02Trnje01Trnje17Trnje16