Der erste Sprung vom 3 Meter-Turm

A | 28 Jul 2015

Plant man Albanien zu bereisen stellen sich einem zwei Fragen. Wählt man eine Route um die ca. 500 km so schnell wie möglich zu absolvieren, um auf dem schnellsten Weg von der Grenze in Montenegro nach Griechenland zu gelangen oder wagt man es für dieses Land ein paar mehr Tage einzuplanen. Wobei die erste Variante eigentlich nichts mit reisen zu tun hat und sowohl für diese und auch die Zweite bereits das erste Vorurteil im Kopf auftaucht. Die Straßen!

Das ärmste Land Europas, Korruption, Steinzeitkommunismus, Eselkarren statt Autos, Relegionsverbot, Diebstahl, Frauenhändler und die besagten katastrophalen Straßenverhältnisse – sind nur einige weitere Gedanken mit denen man sich, gern auch mit anderen Reisenden, auseinandersetzt.

Immer wieder haben wir in den vergangenen Wochen Reisende getroffen die ebenso auf dem Weg Richtung Albanien waren. Immer wieder waren diese Gedanken Thema.

Vor gut einer Woche haben wir es dann gewagt und die Grenze von Montenegro nach Albanien passiert. Unabhängig davon, dass unseren Buss nach der Grenze eine Sicherung durchgebrannt ist weil wir mit laufendem Motor eine Stunde am Grenzposten bei 40° ausharren mussten haben wir es bis jetzt nicht weiter als knapp 180 km in Albanien geschafft.

Ein jeder kennt vielleicht das Gefühl voller Anspannung und gar Angst steht er als Kind zum ersten Mal auf dem 3 Meter-Turm im Schwimmbad. Noch zielstrebig geht es die Treppe hinauf. Auf dem Brett angekommen sieht das ganze schon anders aus. Nimmt man dann seinen ganzen Mut zusammen und springt ins Wasser fällt es den Eltern dann schwer einen wieder vom 3 Meter-Turm weg zu bekommen. So viel Spaß bereitet es einem.

So ist das mit den Ängsten und dem Kopfkino. Wie so oft stellt sich heraus das vieles nicht begründet ist. Vielmehr das Gegenteil überrascht einen positiv und läßt einen später lachen.

Bis jetzt haben wir es ‚erst‘ in die Haupstadt geachafft und sind positiv überrascht von diesem Land welches uns offen, modern, zukunftsorientiert und freundlich empfangen hat.

Einiges haben wir bereits entdeckt und gesehen. Das quirlige und auf der anderen Seite gediegene Shkodra. Berge und weite Wiesen. Lezha, die von den Bergen umgebene Stadt mit der Grabstätte des wohl bekanntesten Albaner – Skanderbeg. Saftiges Vollkornbrot. Die Bunker von Thale an der Küste. Vodafonverkausstände in einem 100 Einwohner Dorf. Die Lagune in Patok. Eselkarren und Fahrradfahrer auf der Autobahn.

Wir sind gespannt was noch kommt und wohin es uns noch verschlägt…

Ein Vorurteil hat sich dann aber doch bestätigt. Es sind die Straßen. Diese und die Fahrweise der Autobegeisterten, vorwiegend Mercedes und BMW fahrenden Albaner, treiben einen dann doch ab und an ein paar mehr Schweißperlen ins Gesicht.